Montag, 29. Dezember 2008

Sichtweise der Perspektive

Von meinem Kumpel Simon bekam ich ein rororo-Büchlein vom Autor Max Goldt an Weihnachten in die Hand gedrückt mit dem Kommentar begleitet, dass mir das gefallen könnte. Mit leichtem Hang zu (Pseudo-?) Intellektuellem nahm ich das wohlwollend entgegen. Heute habe ich die ersten beiden Texte gelesen.
Ich muss sagen: Simon hat Recht. Schon auf den ersten Seiten bin ich entzückt von Goldt's differenzierter Ausdrucksweise und der Wahl seiner Themen. Er schreibt beispielsweise in seinem Werk "Das Süße Nichts" aus "Vom Zauber des seitlich dran Vorbeigehens" (Prosa und Szenen 2002-2004) zum Thema "Bauchfrei Babes Studentinnnen mit prollig konsumistischem Eindruck": Gewiß, Dir sei durchaus bekannt [...], daß zu allen Zeiten von denen mittleren Alters Klage über die Nachgeborenen geführt worden sei, und auch, daß solche Klagen zu allen Zeiten unberechtigt waren, aber was, wenn es sich bei den derzeit Anfangzwanzigjährigen um die allererste Generation der Geschichte handele, bei der die klassische Klage berechtigt wäre? Immerhin hätten diese Leute ihr gesamtes Leben im Schatten des Privatfernsehens verbracht." Goldt spricht mir aus der Seele und bestätigt mir vielerlei Beobachtungen sowie Erfahrungen: Die Generation der jetzt Anfangzwanzigjährigen ist anders und stellt ein Wechsel der Vorgängergenerationen dar. Sie ist früher aufgeklärt, hatte früher Sex, ihr Leben ohne Internet und Spielkonsole ist unvorstellbar, ein Colt für alle Fälle wurde nie gesehen, Hui Buh ward nie gehört, der Computer ohne Maus nie bedient. Aber ich wage zu vermuten, dass diese Generation jetzt schon einen Schritt weiter ist, als ich als Anfangzwanzigjähriger war. Ich war nicht von vornherein mit so einer gewaltigen medialen Vielfalt konfrontiert, mit der man umgehen muss - wohl oder übel. Doch eines wird sich nicht ändern. Genauso wie die Mädels in meinem Alter, also um die 30 und älter, können auch die jetzt Anfangzwanzigjährigen in 10 Jahren nur noch erschwert unbekümmert ... bauchfrei tragen.